
Muskelschmerzen treten auf, wenn ein Muskel entweder akut überlastet, dauerhaft verkrampft oder verletzt ist.
Muskelkater: Die Mini-Verletzung
Die akute Überlastung eines Muskels oder einer Muskelgruppe bezeichnet man als Muskelkater. Er macht sich bemerkbar als ziehender Schmerz in der betroffenen Muskelgruppe, der sofort bei jeder kleinen Bewegung auftritt und in der Regel nur wenige Tage anhält.
Während man früher eine übermäßige Ansammlung von Milchsäure als Folge der ungewohnten Anstrengung für die Ursache des Muskelkaters hielt, weiß man heute, dass mikroskopisch kleine Verletzungen in den Muskelfasern der Grund für die Beschwerden sind.
Gegen Muskelkater helfen Wärme, z.B. heiße Duschen oder Bäder, Sauna und - Weitermachen! Allerdings sollte die körperliche Aktivität in den nächsten Tagen aus leichtem Training, z.B. Joggen bei geringem Tempo, bestehen. Die Übungen, die den Muskelkater hervorgerufen haben, sollten nicht oder nur mit geringer Intensität ausgeführt werden. Auch lockeres Schwimmen in warmem Wasser lindert Muskelkater. Soforthilfe leistet ein Schmerzgel.
Die beste Vorbeugung gegen Muskelkater ist regelmäßiges Training möglichst vieler Muskelgruppen, sorgfältiges Aufwärmen besonders vor ungewohnter oder verstärkter körperlicher Aktivität.
Bewegungstipp gegen Muskelkater in den Waden: Setzen Sie sich auf einen Stuhl, den Rücken gerade an der Lehne, die Beine rechtwinklig gebeugt. Heben Sie ein Bein mit gestrecktem Knie an, und ziehen Sie die Fußspitze zu sich hin. Kurz halten, dann absenken. Wiederholen Sie die Übung mit dem anderen Bein. *
* Reader`s Digest, Arthritis Arthrose, Verlag Das Beste GmbH Stuttgart 2006, S. 246
Blitzartig ausgebremst durch Muskelkrämpfe
Muskelkrämpfe können sowohl bei Belastung des Muskels als auch in völliger Ruhe (z.B. als nächtliche Wadenkrämpfe) auftreten. Blitzartig verhärtet sich der betroffene Muskel, verkürzt sich maximal und muss passiv gedehnt werden, ehe man irgendeine Art von Aktivität fortsetzen kann. Diese Dehnung erfolgt, indem man z.B. beim Wadenkrampf die Fußspitze mit den Händen umfasst und in Richtung Knie zieht. Der rasch einschießende Schmerz lässt nach, sobald der Muskel gedehnt ist.
Mögliche Ursachen für Muskelkrämpfe sind Überlastung und Kälte (z.B. Schwimmen in kaltem Wasser), Flüssigkeitsmangel (v.a. bei körperlicher Aktivität bei hohen Temperaturen oder extremen Ausdauerleistungen wie Marathonlauf) sowie ein Mangel an den Mineralien Magnesium und Kalium. Letzteres gilt vor allem für nächtliche Muskelkrämpfe.
Muskelkrämpfe benötigen außer der Dehnung meist keine besondere äußerliche Behandlung mehr. Treten Sie häufiger und ohne körperliche Belastung auf, so sollten der Magnesium- und Kaliumspiegel im Blut überprüft und die Trinkmenge gesteigert werden. Klingt der Schmerz nach, so kann ein Schmerzgel die Wiederherstellung unterstützen.
Zur Vorbeugung sorgt man für ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei körperlicher Aktivität und hohen Temperaturen sowie für den Ausgleich eines eventuell bestehenden Magnesium- oder Kaliummangels.
Verspannungen machen das Leben schwer
Dauerhafte Muskelverhärtungen, so genannte Verspannungen, entstehen durch langes Verharren in ungünstiger Haltung oder durch falsche, oft wiederholte Bewegungsabläufe sowie durch Zugluft. Der Muskel erhöht seine Spannung, den so genannten Muskeltonus, und verfällt in eine anhaltende Verkrampfung, aus der er sich nur langsam selbst wieder befreien kann. Die Verspannungen lassen sich meist ertasten, weiterführende Untersuchungen sind nicht notwendig.
Verspannungen treten besonders häufig im Schulter-Nackenbereich auf und können sehr hartnäckig sein, wenn die Ursache der Fehlhaltung oder Fehlbelastung nicht beseitigt wird - etwa die unpassende Höhe der PC-Tastatur, eine fehlerhafte Technik bei oft wiederholten Bewegungsabläufen in Beruf und Sport oder auch ein Ungleichgewicht zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur. Letzteres führt z.B. bei schwachen Bauchmuskeln dazu, dass die Rückenmuskeln zu stark beansprucht werden, um die aufrechte Haltung zu gewährleisten. Sie sind dauerhaft zu stark angespannt und verkrampfen.
Vorbeugend gegen Verspannungen wirken die Optimierung der Arbeitsposition oder des auslösenden Bewegungsablaufs sowie gezieltes Muskeltraining unter fachkundiger Anleitung.
Gegen akute Verspannungen helfen Wärme, z.B. als Wärmekissen oder heißes Bad, lockernde Maßnahmen wie Massagen oder das Einreiben mit einem schmerzlindernden Präparat.
Bewegungstipp fürs Büro gegen Verspannungen im Schulterbereich: Setzen Sie sich auf eine Tischkante und legen Sie die Hände neben dem Körper auf die Kante. Kinn auf die Brust senken. Strecken Sie dann die Arme und lassen den Rumpf vor der Tischkante nach unten gleiten, bis Sie die Muskeln rund um die Schultern spüren.
Spannen Sie die Rumpfmuskulatur an, als ob Sie sich nach oben ziehen wollten. 10 Sekunden halten, dann entspannen und den Körper noch weiter nach unten sinken lassen.
So oft wiederholen, bis keine weitere Dehnung mehr möglich ist. Tiefste Position 15 bis 30 Sekunden halten. Dann zur Aktivierung der Gegenspieler-Muskeln die Schultern im Stehen so weit nach oben ziehen wie möglich. 10 Sekunden halten.
Der Sonderfall: die Fibromyalgie
Dieses Beschwerdebild hat viele Namen: Muskelrheumatismus, Weichteilrheuma, Fibrositis-Syndrom. Die Vielzahl der Benennungen zeigt schon, dass es sich um ein rätselhaftes, nicht gut verstandenes Krankheitsbild handelt. Die Ärzte verstehen darunter Schmerzen in den Muskeln und anderen Weichteilen, die meist am ganzen Körper auftreten und mit Morgensteifigkeit, Müdigkeit und anderen Allgemeinerscheinungen einher gehen.
Fibromyalgie kann nicht mit Hilfe von Laborwerten oder Röntgenbildern erkannt werden, alle derartigen Untersuchungen dienen nur dem Ausschluss anderer Krankheiten.
Gegen die Allgemeinsymptome der Fibromyalgie werden zahlreiche verschiedene Behandlungsverfahren, darunter auch psychotherapeutische, eingesetzt. Gegen die Muskelschmerzen hilft Wärme, ein wohldosiertes, nicht zu anstrengendes Bewegungsprogramm, sanfte Massagen sowie Einreibungen mit einem Schmerzgel.
Bewegungstipp: Bei Fibromyalgie-Beschwerden ist Bewegung in warmem Wasser besonders hilfreich. Gehen Sie schwimmen, oder nehmen Sie ein warmes Bad, tauchen so weit wie möglich unter und lassen sanft die Schultern kreisen.
Muskelverletzungen - der Albtraum jedes Sportlers
Muskelfaserrisse entstehen durch Gewalteinwirkung auf einen Muskel - dazu ist häufig gar kein Fremdverschulden notwendig, sondern es reicht schon eine ungünstige Bewegung, die einen bereits angespannten Muskel in die falsche Richtung zieht. Ein guter Trainingszustand schützt nur sehr bedingt vor diesen Verletzungen, wie z.B. in der Fußball-Bundesliga allwöchentlich zu sehen ist. Muskelfaserrisse sind sehr schmerzhaft - der Schmerz schießt plötzlich und heftig ein, so dass die Aktivität abgebrochen werden muss.
"Muskelrisse" hingegen sind Einrisse oder komplette Abrisse eines Muskels, meist am Übergang zwischen Muskel und Sehne. Häufig ist der Muskel bereits vorgeschädigt. Muskelrisse sind schwere, aber seltene Verletzungen, die operativ versorgt werden müssen.
Bei Zerrungen handelt es sich übrigens nicht um Muskel- sondern um Bandverletzungen, nämlich um Fasereinrisse im Bandapparat, daher gehören sie zu Schmerzen bei Sport- und Unfallverletzungen.
Muskelfaserrisse werden durch Kühlung und kurze Ruhigstellung behandelt, gefolgt von leichter Aktivität. Zur Schmerzlinderung eignet sich ein Schmerzgel.
Muskelverletzungen beugt man am wirkungsvollsten durch sorgfältiges Aufwärmen vor der geplanten Aktivität sowie ausreichend warme Bekleidung beim Sport vor. Aufgewärmte, vorgedehnte Muskelfasern sind wesentlich elastischer als kalte.
Bewegungstipp: Zum Aufwärmen der Muskulatur eignet sich der "Hampelmann" besonders gut: Stellen Sie sich mit geschlossenen Beinen hin, dann springen Sie in die Grätsche und schlagen dabei gleichzeitig mit gestreckten Armen die Hände über dem Kopf zusammen.
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